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„Wir wollen nicht ins Guinness-Buch der Rekorde, sondern nachhaltig wirtschaften!“

ETL zu Besuch beim Grünen Mandat: Natur Konkret
„Wir wollen nicht ins Guinness-Buch der Rekorde, sondern nachhaltig wirtschaften!“
Aktuelles
01.08.2023 — zuletzt aktualisiert: 07.11.2023

„Wir wollen nicht ins Guinness-Buch der Rekorde, sondern nachhaltig wirtschaften!“

ETL zu Besuch beim Grünen Mandat: Natur Konkret

Irgendwann ist auch Guido Leutenegger mit seiner Geduld am Ende: „Der Hummel muss ja mittlerweile denken, meine Platte hat einen Sprung“, entfährt es dem Gründer von Natur Konkret, dem aktuellen Grünen Mandat der ETL-Gruppe, in unserem Gespräch. Dabei verzieht der Schweizer keine Miene. Nur das Blitzen in seinen Augen verrät, dass sich mit ihm und ETL Agrar & Forst-Leiter Benjamin Hummel zwei Menschen getroffen haben, die auf einer Wellenlänge surfen. Das große gemeinsame Thema der beiden ist „Landwirtschaft im Einklang mit der Natur“. Als wir von ETL Service den Natur Konkret-Hof im Teichland Linum besuchen, sind der Landwirt und sein Agrarberater schon in ein angeregtes Gespräch vertieft. So viel Engagement ist ansteckend und wir wollen mehr über die Philosophie, die Geschichte und die Menschen unseres aktuellen Grünen Mandats erfahren.

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Guido Leutenegger (l.) und Benjamin Hummel samt ihren Mitarbeitern sind schon am arbeiten, als wir den Hof erreichen…

„Wir bekennen uns durchaus stolz zu den natürlichen Begebenheiten vor Ort und versuchen, die hier vorhandenen Begebenheiten mit einer Produktion zu verbinden, die auf dem Markt gefragt ist.“

Teichland Linum ist einer von drei Höfen, die der Schweizer Guido Leutenegger in Brandenburg bewirtschaftet. Schon bei der Anfahrt fällt uns die Schönheit der Gegend auf, in der sich die Höfe befinden. Von nahezu jedem zweiten Dach des Örtchens Linum blicken uns Störche entgegen, deren Idylle wir bei unserer Ankunft unsanft unterbrechen. Je näher wir dem Teichland kommen, desto mehr fallen uns die Kraniche auf. Zu Dutzenden bevölkern sie die Felder und Wiesen am Straßenrand. Kein Wunder: Die Gegend gilt als „Kranich-Hotspot“ Deutschlands. Jedes Jahr im Herbst sammeln sich die Vögel hier zu Hunderten, bevor sie in Richtung Süden fliegen – ein atemberaubendes Spektakel, das Einheimische genau so begeistert beobachten wie die extra angereisten Touristen. Für Guido Leutenegger und sein Team sind die Kraniche eine Art „Aushängeschild“, wie uns der Landwirt bei unserer Begrüßung berichtet. „Wir bekennen uns durchaus stolz zu den natürlichen Begebenheiten vor Ort und versuchen, die hier vorhandenen Begebenheiten mit einer Produktion zu verbinden, die auf dem Markt gefragt ist.“ Damit der Versuch, nachhaltig und unter bestmöglicher Förderung der Biodiversität zu produzieren, auch dauerhaft und wirtschaftlich erfolgreich ist, hat sich Leutenegger im Dezember 2022 die Unterstützung von ETL Agrar & Forst gesichert. Als wir den 17 Hektar großen Hof im Teichland Linum erreichen, ist das ETL-Experten-Team um Benjamin Hummel und Janine Paulke bereits vor Ort. Seit den Morgenstunden beraten sie Leutenegger, wie er mit seinen visionären Konzepten wirtschaftlich erfolgreich agieren kann.

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„Unser Reisanbau ist ein Versuch, die hier vorhandene Infrastruktur mit einer Produktion zu verbinden, die auf dem Markt gefragt ist.“

Für den Eidgenossen Guido Leutenegger begann das „Abenteuer Deutschland“ im Jahr 2016 mit dem Erwerb des Kranich-Hofs in Ribbeckshorst. „Ich war einer von mehreren Interessenten am Hof. Doch die anderen Bewerber wollten den Betrieb intensivieren. Ich wiederum schilderte den Eigentümern der Stadt Berlin wortreich mein Konzept eines Ökobetriebes mit an die Natur angepasster Bewirtschaftung. Ich war nicht zu bremsen, und so erhielt ich den Zuschlag.“ Vier Jahre später kam das Teichland Linum hinzu. Hier wird seit DDR-Zeiten Karpfenzucht betrieben. Ein Unterfangen, was Leutenegger nicht aufgab, aber auf die aktuellen Marktbedürfnisse anpassen musste: „Ich frage immer jeden Besucher, wann er zum letzten Mal Karpfen gegessen hat. Die Gesichter, in die ich dabei blicke, verraten mir, dass die hier vorhandenen Anlagen zu groß sind für die kleiner werdende Nachfrage.“ Um die vorhandene Infrastruktur zu nutzen, etwas zu produzieren und gleichzeitig der Verantwortung vor Tier- und Umwelt gerecht zu werden, musste ein neuer Ansatz her. „Reis“, beantwortet der Schweizer unsere unausgesprochene Frage mit einem Augenzwinkern. Und bevor wir unserer Überraschung Ausdruck verleihen können, wie jemand in Brandenburg auf die Idee kommen kann, Reis anzubauen, nimmt uns der Landwirt mit und zeigt uns das Gelände, wo die ersten Reispflanzen aus einem ehemaligen Karpfenzuchtteich wachsen.

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Wer hat’s erfunden…?

„Ich wäre ja froh, wenn ich einmal etwas erfinden würde“, kommt Leutenegger erneut unserer Frage zuvor, ob er der erste sei, der in Zentraleuropa Reis anbaue. „Aus der Schweiz kannte ich entsprechende Versuche, Reis auf Trockenflächen anzubauen. Allerdings macht der dadurch notwendige Einsatz von chemischen Mitteln einen echten Bio-Anbau unmöglich. Das kann nicht unser Weg sein“, betont der Landwirt. „Im Kanton Aargau gibt es ein Forschungsprojekt, um Reisanbau auf vernässten Ackerflächen zu wagen“, führt er weiter aus. „Das Klima dort ist ähnlich wie hier in Brandenburg, aber wir haben mit den Teichen in Linum sogar den Vorteil, Wasser nicht zusätzlich zuführen zu müssen. Was also in Aargau funktioniert, sollte bei uns ebenfalls klappen, so unsere Überzeugung. Deshalb begannen wir vor drei Jahren einen Versuch“, erinnert er sich. Was er uns dann erzählt, steht sinnbildlich für die Mentalität, die den Gründer von Natur Konkret charakterisiert. „Wir haben damals alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Dennoch ist der Reis beinahe erntefähig gewesen. Neue Wege zu beschreiten, birgt immer das Risiko, zu scheitern. Das haben wir früh gelernt. Aber wir haben unsere Schlüsse daraus gezogen und sind zuversichtlich, noch in diesem Jahr Linumer Teichreis in unserem Hofladen anbieten zu können.“

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Guido Leutenegger in seinem Element… Der sympathische Schweizer zählt auf, was den Ansatz von Natur Konkret so besonders macht.

„Wir wollen Geschichten unserer Art der Landwirtschaft erzählen. Aber die müssen dann auch stimmen!“

Dass Guido Leutenegger für den „nördlichsten Reisanbauversuch der Welt“ wirbt, hat so seine Vor- und Nachteile, berichtet er uns. Schließlich muss sich der Landwirt so auch überregional an seinen selbst formulierten Ansprüchen einer „Landwirtschaft im Einklang mit der Natur“ messen. Dennoch ist er davon überzeugt, dass der Weg der Transparenz, auch über die Medien, der richtige für Natur Konkret ist. „Wir wollen nicht ins Guinness-Buch der Rekorde, sondern nachhaltig wirtschaften! Und wir wollen Geschichten unserer Art der Landwirtschaft erzählen. Aber die müssen dann auch stimmen!“ So leiste der Reisanbau in Linum auch einen Beitrag für die Förderung der Biodiversität vor Ort: „Unsere Anlage bietet Lebensraum für Libellen, für Amphibien wie die Rotbauchunke, deren Konzert man abends wunderbar lauschen kann, aber auch für die Kraniche.“ Wobei letztere auf den Feldern nicht ganz so herzlich willkommen sind. Daran erinnert uns eine von Hand gebastelte Konstruktion auf dem Feld, bei der zwei Greifvögel aus Pappe an einem Stock befestigt sind, die der Wind dann über die Reispflanzen kreisen lässt. Über die Frage, wie furchteinflößend diese Vogelscheuche ist, schweigt sich Leutenegger mit einem vielsagenden Blick auf die friedlich auf dem Teich treibenden Kraniche aus. „So sind die Voraussetzungen hier nun einmal. Die Tiere sind ja auch Aushängeschild und damit Wirtschaftsfaktor einer ganzen Region. Wir wollen das so und leben damit.“

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Wir betreten das Reich der Linumer Wasserbüffel, die uns natürlich kommen sehen und zunächst auf Abstand bedacht sind…
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Guido Leutenegger (2. v. r.) und Robert Jäkel (r., Betriebsleiter des Linumer Teichlands), sowie Benjamin Hummel (2. v. l.) mit ETL Agrar & Forst-Mitarbeiterin Janine Paulke (l.).

Am Ende der privaten Führung über sein Teichland Linum wartet auf uns städtische Besucher noch ein ganz besonderes Highlight. Plötzlich springt nur wenige Meter vor uns eine Horde Wasserbüffel aus einem der Teiche. Wir haben sie wohl beim Baden gestört. Ein Exemplar dieser faszinierenden Wesen lässt es sich aber nicht nehmen, uns persönlich zu begrüßen. Eine Szene, die Leutenegger mit dem Büffel wohl kaum einstudiert haben dürfte, uns aber noch einmal das Besondere an Natur Konkret eindrucksvoll vor Augen führt. Selbst ETL Agrar & Forst-Leiter Benjamin Hummel, der selbst studierter Landwirt ist, zeigt sich angesichts der tierisch freundlichen Begrüßung sichtlich bewegt. Bei unserer Rückkehr zum Hof fragen wir ihn nach seiner Einschätzung dessen, was Leutenegger und Natur Konkret hier in Linum und Ribbeckshorst aufbauen: „Guidos Ansatz ist schwierig, aber richtig und gut. Er leistet hier wahre Pionierarbeit. Es wird ein harter Weg, aber wir von ETL Agrar & Forst werden diese beispielhafte Herangehensweise nach Kräften unterstützen.“ Und auch wir spüren bei unserer Abreise, dass die Geschichte vom Schweizer Pionier im Brandenburger Kranich-Hotspot noch keinesfalls auserzählt ist.

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Linumer Hofladen, der derzeit an den Wochenenden für Tages- und Feriengäste geöffnet ist und mit der hauseigenen Produktpalette aufwartet.

Bleiben Sie neugierig!

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