Umsatz und Gewinn unter der Lupe des Finanzamtes

Hinzuschätzungen basieren auf Branchendurchschnittswerten

 

So mancher Unternehmer kennt es. Mitten im Jahr kommt ein Brief vom Finanzamt mit der Ankündigung, die Vorauszahlungen zur Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer ab dem kommenden Quartal auf einen Betrag X anzuheben. Zu allem Kümmernis bestätigt der Steuerberater dann auch noch die Berechnungsgrundlagen, auf denen die Ankündigung des Finanzamtes beruhen. Doch woher kennt das Finanzamt die voraussichtlichen Zahlen des Unternehmens?

Natürlich kann auch das Finanzamt nicht in die vielsagende Glaskugel sehen, aber es hat durch diverse Statistiken umfangreiche Branchenkenntnisse. Eine dieser Statistiken, ist die jährlich aktualisierte Richtsatzsammlung. Darin sind statistische Prozentwerte für den Rohgewinn, den Halbreingewinn und den Reingewinn aufgelistet. Die Prozentwerte sind dabei differenziert nach Fertigungsbetrieben, Handelsbetrieben und gemischten Betrieben, d.h. Betriebe die ihre Waren selbst anfertigen und verkaufen. Doch nicht nur die Art des Unternehmens beeinflusst den Reingewinn, auch der Unternehmensgegenstand und die Größe eines Unternehmens wirken sich auf den erzielbaren Reingewinn aus. Dies alles wird in der Richtsatzsammlung berücksichtigt.

Umsatz und Gewinn werden anhand der jährlichen Richtsatzsammlung verprobt
Die jährlichen Richtsatzsammlungen bilden nicht nur eine Grundlage für mögliche Anpassungen der Vorauszahlungen. Sie sind auch Arbeitsgrundlage für die Finanzbeamten bei der Beurteilung der eingereichten Gewinnermittlungen im Rahmen der Steuerfestsetzung. So bildet u.a. der Rohgewinn (Wirtschaftlicher Umsatz abzüglich Wareneinsatz) ein Kriterium dafür, ob die eingereichten Unterlagen glaubhaft sind. Selbstverständlich geht es nicht darum, dass in der Praxis die statistischen Werte erreicht werden. Im Einzelfall können sie sich sogar in utopisch weiter Ferne befinden. Doch dafür gibt es meist Ursachen. Sie können von außen wirken, so dass das Unternehmen ihnen relativ hilflos gegenübersteht. Ein Beispiel für viele Landwirte sind die Wetterverhältnisse in diesem Frühjahr und Sommer. Aber auch Ursachen, die in der Unternehmensführung zu finden sind, können auftreten, wie z. B. ein fehlendes Forderungsmanagement. Ganz gleich ob die Ursachen von außen oder von innen auf das Unternehmen einwirken - spätestens wenn sie erkannt werden, ist es ratsam, sie schriftlich festzuhalten. Denn die Richtsatzsammlungen dienen nicht nur den Veranlagungsbeamten als Arbeitsgrundlage. Sie sind auch für die Betriebsprüfer ein wichtiges Arbeitsmittel. Formell ordnungsmäßige Buchführungsunterlagen schützen zwar davor, dass auf der Basis der Richtsätze Umsatzhinzuschätzungen erfolgen dürfen. Doch sollten die Buchführungsunterlagen fehlerhaft oder unvollständig sein, droht in der Betriebsprüfung eine Hinzuschätzung. Dann kann die vorhandene interne Dokumentation von besonderen Ereignissen, wie Umsatzausfälle durch Wetterkatastrophen, eine hilfreiche Argumentationsgrundlage im Kampf gegen die Hinzuschätzung sein.

Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben gelten pro Person
Neben den neuen Richtsätzen werden jährlich die Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben in den Richtsatzsammlungen veröffentlicht. Die Pauschbeträge werden dabei auf der Grundlage der vom Statistischen Bundesamt ermittelten Aufwendungen privater Haushalte für Nahrungsmittel und Getränke festgelegt und gelten für eine Person und gelten für die Gewerbezweige Bäckerei, Fleischerei/Metzgerei, Gaststätten aller Art, Getränkeeinzelhandel, Café und Konditorei, Einzelhandel mit Milch, Milcherzeugnisse, Fettwaren und Eiern, Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln und dem Obst- und Gemüseeinzelhandel. Während die Pauschbeträge in 2017 durchschnittlich um rund 5,5 % gegenüber dem Vorjahr gesunken sind, sind die Pauschbeträge in 2018 wieder um rund 2,7 % gestiegen. So beträgt z.B. der neue Jahreswert 2018 für eine unentgeltliche Wertabgabe mit dem ermäßigten Steuersatz in der Gastwirtschaft, die kalte und warmen Speisen anbietet, 1.627 Euro (2017: 1.584 Euro). Der Pauschbetrag mit dem vollen Steuersatz von 19 % beträgt in diesem Fall 1.703 Euro (2017: 1.658 Euro).

Die Werte gelten für den oder die Unternehmensinhaber(in) und für jede in seinem Haushalt lebende Person. Dabei werden Kinder bis zu 2 Jahre nicht berücksichtigt und Familienmitglieder bis zum 12. Geburtstag nur mit dem halben Wert. Da die Anwendung der Pauschbeträge eine Vereinfachungsregel darstellt, werden vom Finanzamt keine Zu- oder Abschläge akzeptiert. Alternativ ist eine sehr akkurate Auflistung aller Entnahmen (Datum, Menge, Preis) über das Jahr vorzunehmen. Im stressigen Arbeitsalltag eines jeden Unternehmers ist diese Auflistung, ähnlich wie das korrekt geführte Fahrtenbuch, in aller Regel wenig praxistauglich.

Tipp: Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater ihre Gewinnsituation im Vergleich zur aktualisierten Richtsatzsammlung. Bei Abweichungen hilft Ihnen Ihr Steuerberater gern bei der Ursachenforschung.

(Stand: 25.07.2018)

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